Diesseits und Jenseits der Grenze
Seit drei Wochen hier in der Hauptstadt und schon verändert sich der Blick auf das Bisherige. So muss es sein, wenn man aus dem Osten in einen der “großen Städte” kommt und dort hängenbleibt. Beim Auslandsfernsehen fing es an mit Kommentaren wie:
Du bist ostdeutsch - im Herzen!
oder: Wie die Häuser aussehen in Ostdeutschland!
Zwar nicht zu mir, weil sie das nicht wissen, aber zueinander; und als Reaktion darauf dann Entrüstung oder Zustimmung, je nachdem.
Vor zwei Tagen kam ich auf dem Flur an einer ausländischen Führung vorbei, als der Guide gerade sagte:
West Berlin was an island in a red sea!
Das Auslandsfernsehen ist nur einen kurzen Fußweg von der ehemaligen Mauer weg, oder von Prenzlauer Berg. Bei all der Forschung über den psychologischen Zustand der Ostdeutschen - hat sich jemand mal Gedanken gemacht, was die Teilung aus West-Berlinern gemacht hat?
Und ich merke auch, wie sich meine Perspektive verändert. Von hier wirkt Leipzig so klein. Und die ganzen medialen Bilder über den Osten drängen sich plötzlich in den Vordergrund. Wahrscheinlich kann ich es nicht verhindern. Es ist nur erschreckend, wie schnell es passiert.
Zeit, dass ich zurück komme.

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