blinking lights

aus dem Leben einer Journalistin in Leipzig

Diesseits und Jenseits der Grenze

Seit drei Wochen hier in der Hauptstadt und schon verändert sich der Blick auf das Bisherige. So muss es sein, wenn man aus dem Osten in einen der “großen Städte” kommt und dort hängenbleibt. Beim Auslandsfernsehen fing es an mit Kommentaren wie:

Du bist ostdeutsch - im Herzen!

oder: Wie die Häuser aussehen in Ostdeutschland!

Zwar nicht zu mir, weil sie das nicht wissen, aber zueinander; und als Reaktion darauf dann Entrüstung oder Zustimmung, je nachdem.

Vor zwei Tagen kam ich auf dem Flur an einer ausländischen Führung vorbei, als der Guide gerade sagte:

West Berlin was an island in a red sea!

Das Auslandsfernsehen ist nur einen kurzen Fußweg von der ehemaligen Mauer weg, oder von Prenzlauer Berg. Bei all der Forschung über den psychologischen Zustand der Ostdeutschen - hat sich jemand mal Gedanken gemacht, was die Teilung aus West-Berlinern gemacht hat?

Und ich merke auch, wie sich meine Perspektive verändert. Von hier wirkt Leipzig so klein. Und die ganzen medialen Bilder über den Osten drängen sich plötzlich in den Vordergrund. Wahrscheinlich kann ich es nicht verhindern. Es ist nur erschreckend, wie schnell es passiert. 

Zeit, dass ich zurück komme.

 

 

 

 

In: Leipzig, blinking lights — Januar 27, 2007

Wie viele Bewerbungen sind genug?

Beim Versuch, ein Volontariat bei irgendeinem Verlag/Fernsehsender/Zeitung in irgendeiner Region Deutschlands zu bekommen, erlebe ich öfter ernüchternde Situationen. Zum Beispiel, wenn mir der Chefredakteur eines in etwa 80.000 Haushalten zu empfangenden Stadtsenders sagt, ich hätte nicht genug Erfahrung. Oder wenn ich trotz meines Studienabschlusses ohne Bezahlung neun Stunden täglich bei einer Fernsehproduktion arbeiten soll. Aus meinem Freundeskreis weiß ich, dass der Einstieg in den Journalismus lange dauert, mindestens ein Jahr. Doch ab wann ist es genug? Wie viele Bewerbungen braucht es, um aufzugeben? Sind 100 Bewerbungen Ausdauer oder Verzweiflung?

Ein vor kurzem von mir entdeckter britischer Autor, Jasper Fforde, brauchte 77 Anläufe, um sein Buch „The Eyre Affair“ zu veröffentlichen. Es wurde ein großer Erfolg bei den Lesern, inzwischen gibt es drei Fortsetzungen. Hätte er nach 20 Absagen aufgegeben, würde es noch immer in seinem Schreibtisch vergilben. Doch woher nimmt man die Kraft, immer weiter zu machen? Zu wissen, dass es irgendwann klappt? Sich kreative Anschreiben auszudenken, um die Firmen zu beeindrucken? Und dabei nicht den Respekt vor den eigenen Entscheidungen im bisherigen Leben zu verlieren?

In: Leipzig — November 6, 2006

Das Summloch

Heute ein Beitrag in der Rubrik „Wir entdecken unsere Heimat“. Ich stelle immer wieder fest, dass ich in der Stadt, in der ich seit sieben Jahren lebe, einige Gegenden überhaupt nicht kenne und mich auch öfter mit dem Auto verfahre. Stötteritz ist so eine Ecke. Da sind das Völkerschlachtdenkmal und der Südfriedhof. Und auch das Summloch des Hugo Kükelhaus in einem kleinen Park in der Naunhofer Straße. Das ist ein rechteckiger Stein mit einem Loch darin, in das man seinen Kopf legen muss. Das Summen in dieser Position und mit einer bestimmten Frequenz soll eine Wirkung auf den ganzen Körper haben, eine Art Massage. Ich habe also die Spinnweben und das Laub aus dem Loch entfernt, meinen Kopf in den Stein gelegt und gesummt. Es vibriert etwas, ist aber nicht mit einer Massage zu vergleichen. Vielleicht habe ich es auch nicht lang genug gemacht. Ich gebe zu, dass es mir auch etwas peinlich war.
Die Geschichte des Hugo Kükelhaus und anderer sonderbarer Wissenschaftler kann man in dem Buch „Die elektrische Himmelsleiter. Exzentriker in den Wissenschaften“ von Elmar Schenkel nachlesen, der übrigens einer meiner Professoren der Anglistik an der Uni Leipzig war.

In: Leipzig — Oktober 10, 2006

Am Anfang

…sollte man sich darüber klar werden, was wann will. Ich habe ein bisschen im Web gesurft, um zu sehen, wie andere Leute ihr Blog gestalten. Meistens haben sie irgendeinen Schwerpunkt um den sich das ganze dreht. In diesem Punkt bin ich mir bei meinem noch unschlüssig. Da könnte ich höchstens Musik und Literatur angeben, aber dabei soll es nicht bleiben. Für den Anfang ist das Blog also etwas, dass man mit dem sehr seltsamen Begriff „Steinbruch“ beschreiben kann. Ich werde versuchen, regelmäßig zu posten und werde sehen, wo es sich hin entwickelt. Gleichzeitig will ich es dazu nutzen, regelmäßig zu schreiben. Als Journalistin auf Jobsuche fehlt mir manchmal der Antrieb und die Disziplin, mich regelmäßig hinzusetzen und was aufzuschreiben, ohne es gleich wieder zu verwerfen– daher das Blog.

Während sich also das Holz meines kaputten Bürostuhls in meinen Ellenbogen bohrt und vor meinem Fenster jemand das Einparken übt, erinnere ich mich an den letzten Abend im Ilses Erika zum Pop-Up-Reisebüro, wo wieder einmal eine besondere, international bekannte Spielart des Indie-Tanzstils auftrat: Bierflasche in der linken Hand, rechte in der hinteren Hosentasche, Kopf nach unten und dann zwei Schritte nach vorn mit wippenden Knien und wieder zwei zurück. Auch wenn die Männer, die das tun, aussehen wie Adrien Brody, kommen sie damit nicht durch.

So war das auch am vergangenen Montag (25.09.) beim Konzert von The Whitest Boy Alive in der naTo. Erstaunlich, was manche compulsive dancer aus 50 Quadratzentimeter Platz rausholen können. Abgesehen davon wurde der Auftritt noch richtig gut, nachdem sie erst mit langsamen Sachen angefangen haben, die man in dieser Atmosphäre (sich unterhaltende Leute, mit Bier hindurchdrängelnde Leute usw.) nicht so genießen konnte. Sensationell auch die Coverversion von „I got the power“!

In: Leipzig — September 30, 2006

buddy icon Willkommen bei blinking lights, dem Weblog einer jungen Journalistin in Leipzig. Immer auf der Suche nach unbekannten Orten, bei der Beobachtung ihrer Mitmenschen oder in Gedanken vertieft, schreibt sie interessante Artikel und Kommentare.

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